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Hundertwasser und Schiele – bis Winter 2020 im Leopold Museum

IMAGINE TOMORROW

Am 19. Februar 2020 jährte sich der Todestag Friedensreich Hundertwassers (1928–
2000) zum zwanzigsten Mal. Als Maler, Vorkämpfer der Ökologiebewegung und Gestalter von Lebensräumen prägte er die Kunst des 20. Jahrhunderts über die Grenzen Österreichs hinaus. Wenig bekannt ist die intensive Beschäftigung des Künstlers mit der Person und dem Werk Egon Schieles (1890–1918).
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FRIEDENSREICH HUNDERTWASSER 1928–2000 107 Selbstbildnis, 1951 Aquarell auf grundiertem Packpapier, 41 × 33 cm Die Hundertwasser Gemeinnützige Privatstiftung, Wien Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger © 2020 Namida AG, Glarus, Schweiz

FRIEDENSREICH HUNDERTWASSER 1928–2000 107 Selbstbildnis, 1951 Aquarell auf grundiertem Packpapier, 41 × 33 cm Die Hundertwasser Gemeinnützige Privatstiftung, Wien Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger © 2020 Namida AG, Glarus, Schweiz

Der am 15. Dezember 1928 als Friedrich Stowasser in Wien geborene Künstler überlebte mit seiner jüdischen Mutter die Diktatur des Nationalsozialismus und die Shoah. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs entschied sich Stowasser für den Künstlerberuf und schrieb sich an der Akademie der bildenden Künste in Wien ein. Im Wintersemester 1948/49 studierte er drei Monate in der Klasse von Robin Christian Andersen, bevor er später in die Klasse des Schiele-Freundes Albert Paris Gütersloh wechseln wollte. Zeitgleich entdeckte Stowasser in Ausstellungen und in Büchern die Kunst der Wiener Moderne: Vor allem Egon Schiele sollte in den folgenden Jahren eine zentrale Bezugsfigur für den international agierenden Künstler werden. Schiele war schon bei seinen Zeitgenossen für seine charakteristische Strichführung, seine Flächengliederung und sein tonales Kolorit berühmt. Die Selbststilisierung Schieles zum Propheten fand in Hundertwasser ebenso Widerhall wie die Darstellung der beseelten Natur.

EGON SCHIELE 1890–1918 Selbstbildnis mit hochgezogener nackter Schulter, 1912 Öl auf Holz, 42,2 × 33,9 cm Leopold Museum, Wien Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger

EGON SCHIELE 1890–1918 Selbstbildnis mit hochgezogener nackter Schulter, 1912 Öl auf Holz, 42,2 × 33,9 cm Leopold Museum, Wien Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger

Hundertwasser: Ich liebe Schiele

FRIEDENSREICH HUNDERTWASSER 1928–2000 170 Le jardin des morts heureux, 1953 Öl auf weiß grundierter Pressfaserplatte mit „baguette électrique“, 47 × 58,5 cm Privatsammlung © 2020 Namida AG, Glarus, Schweiz

FRIEDENSREICH HUNDERTWASSER 1928–2000 170 Le jardin des morts heureux, 1953 Öl auf weiß grundierter Pressfaserplatte mit „baguette électrique“, 47 × 58,5 cm Privatsammlung © 2020 Namida AG, Glarus, Schweiz

Auf Basis seiner Notizen und Tagebücher verfasste Hundertwasser um 1950/51 den
poetischen Text Ich liebe Schiele. Der Künstler war für den jungen Maler aus Wien ein „Vater“ und Kunst eine „neue Religion“. Als er 1949 durch Italien und Nordafrika reiste und nach Paris übersiedelte, schrieb Hundertwasser unzählige Briefe an seine Mutter nach Wien. Diese lassen den Weg Hundertwassers vom suchenden und lernenden Kunststudenten zum selbstsicheren Künstler lebendig werden. In diesen Dokumenten legte er seine Überlegungen zur Kunst dar, schrieb Listen mit seinen Lieblingskünstlern und nannte immer wieder den Namen Egon Schiele. Als er in Paris angekommen war, musste Hundertwasser entdecken, dass Schiele dort ein Unbekannter war. Daraufhin ließ er sich von seiner Mutter Publikationen über Schiele nachsenden, die er an seine Freunde verschenkte. Hundertwassers Liebe zu Schiele währte ein Leben lang. Auch noch nach der Selbstfindung als Künstler 1950 sah er sich mit der Kunst Schieles verbunden und noch in seinen späten Lebensjahren hingen Reproduktionen von dessen Werken in Hundertwassers Wohn- und Arbeitsräumen – sowohl in Venedig als auch in Neuseeland.

EGON SCHIELE 1890–1918 „Waldandacht“ II, 1915 Öl auf Leinwand, 100 × 120 cm Kunsthaus Zug, Stiftung Sammlung Kamm Foto: Kunsthaus Zug, Alfred Frommenwiler

EGON SCHIELE 1890–1918 „Waldandacht“ II, 1915 Öl auf Leinwand, 100 × 120 cm Kunsthaus Zug, Stiftung Sammlung Kamm Foto: Kunsthaus Zug, Alfred Frommenwiler

Welchen Schiele lernte Hundertwasser kennen?

Friedrich Stowasser, der sich ab Mitte Mai 1950 Hundertwasser nannte, reagierte seit 1948 auf eine sich im Aufbruch befindliche Ausstellungspolitik, die auf die Wiederentdeckung der Wiener Moderne setzte. Bereits im September 1945 postulierte die Gedächtnisausstellung Klimt, Schiele, Kokoschka, organisiert von der Österreichischen Kulturvereinigung in den Räumen der Neuen Galerie, sowie im Herbst 1946 die Großausstellung Österreichische Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart, dass Schieles Werk der „vorläufige Endpunkt“ der österreichischen Kunst wäre. Daher präsentierte die wiedereröffnete Albertina im Frühjahr/Herbst 1948 erste monografische Ausstellungen mit Zeichnungen von Gustav Klimt und Egon Schiele. Schiele war in diesem Sommer auch der Vertreter Österreichs auf der Biennale von Venedig, der ersten nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Hundertwasser konnte als Jugendlicher an mehreren Stellen in Wien auf das Werk von Egon Schiele stoßen: Ausstellungen, Bücher, Grafikmappen und Zeitungsberichte würdigten die Leistungen des inzwischen zum Mythos stilisierten Malers und Grafikers.

FRIEDENSREICH HUNDERTWASSER 224 Le grand chemin, 1955 Belvedere, Wien Foto: Belvedere, Wien/Johannes Stoll © 2020 Namida AG, Glarus, Schweiz

FRIEDENSREICH HUNDERTWASSER 224 Le grand chemin, 1955 Belvedere, Wien Foto: Belvedere, Wien/Johannes Stoll © 2020 Namida AG, Glarus, Schweiz

Die Begeisterung für Schieles Gemälde und virtuose Strichführung begleitete Hundertwasser ein Leben lang. Doch für welche Konzepte und Werke Schieles begeisterte sich Hundertwasser? Beide nutzten Selbstdarstellungen, um sich als Künstler und seherisch begabte Persönlichkeiten zu inszenieren. Die Ausstellung im Leopold Museum zeigt erstmals, welche Verbindungen zwischen Hundertwassers Spiralen und Schieles „Tote Mutter“ I, zwischen Stadt- und Naturvorstellungen beider Maler existieren.

EGON SCHIELE „Tote Mutter“ I, 1910 Leopold Museum, Wien Foto: Leopold Museum, Wien/ Manfred Thumberger

EGON SCHIELE „Tote Mutter“ I, 1910 Leopold Museum, Wien Foto: Leopold Museum, Wien/ Manfred Thumberger

Hundertwasser und die menschengerechte Architektur

Seit 1967 trat Hundertwasser für das „Anrecht auf die Dritte Haut“ ein, demonstrierte gegen den Rationalismus in der modernen Architektur und baute sich ein altes Holzschiff zur Regentag um. Dachbewaldung, individuelle Fassadengestaltung und Baummieter wurden Anfang der 1970er-Jahre zu Hundertwassers wichtigsten Anliegen einer menschen- und umweltgerechten Architektur. In den Folgejahren stellte Friedensreich Hundertwasser international aus, realisierte Architekturprojekte in aller Welt und engagierte sich mit zahlreichen Interventionen für ökologische und gesellschafts politische Belange. Er schuf Originalgrafiken und entwarf Gegenstände des täglichen Lebens. Der österreichische Künstler starb am 19. Februar 2000 an Herzversagen an Bord der Queen Elizabeth 2. auf hoher See. Hundertwasser wurde auf seinem Land in der Bay of Islands nackt und ohne Sarg begraben. Über seiner Ruhestätte wurde ein Tulpenbaum gepflanzt.

FRIEDENSREICH HUNDERTWASSER 1928–2000 622 Der Nasenbohrer und die Beweinung Egon Schieles, 1965 Mixed media, 116 × 73 cm Die Hundertwasser Gemeinnützige Privatstiftung, Wien Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger © 2020 Namida AG, Glarus, Schweiz

FRIEDENSREICH HUNDERTWASSER 1928–2000 622 Der Nasenbohrer und die Beweinung Egon Schieles, 1965 Mixed media, 116 × 73 cm Die Hundertwasser Gemeinnützige Privatstiftung, Wien Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger © 2020 Namida AG, Glarus, Schweiz

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